Hochsensibilität im Arbeitsleben

„Setzen Sie sich doch mal mehr durch und nehmen sich nicht immer alles so zu Herzen!“…so oder so ähnlich klingt die Rückmeldung, die man als hochsensibler Mensch im Arbeitsleben regelmäßig bekommt. Da ist es kein Wunder, dass man sich früher oder später selbst in Frage stellt: Bin ich wirklich zu empfindlich? Warum kann ich mich nicht einfach durchsetzen? Bin ich eigentlich die Einzige hier, der sowas auffällt? Wenn dir diese Fragen bekannt vorkommen, dann kann es gut sein, dass du hochsensibel bist.

Die Arbeitswelt in der Leistungsgesellschaft, wie wir sie heute erleben, stellt uns Hochsensible immer wieder vor neue Herausforderungen.

Da ist man nicht durchsetzungsfähig oder konfliktscheu, hat zu wenig Ellenbogenmentalität und ist nicht belastbar. Aus Sicht der Arbeitgeber haben hochsensible Menschen oft ein negatives Image. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Mit unseren feinen Antennen haben wir Fähigkeiten, die meistens erst auf den zweiten Blick ins Auge fallen: Empathiefähigkeit, Kommunikation, ganzheitliche Sichtweisen, Hilfsbereitschaft, usw. Gerade diese werden in der heutigen Zeit immer wichtiger!

Als Sozialpädagogin bin ich täglich mit den Schicksalen meiner Klienten konfrontiert.

Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn fiel es mir unheimlich schwer, mich genügend abzugrenzen. Statt Mitgefühl hatte ich oftmals Mitleid und habe die Probleme meiner Klienten abends mit nach Hause genommen. Nachts grübelte ich dann stundenlang, in der Hoffnung eine Lösung zu finden. Mit der Zeit merkte ich, wie es mir immer schlechter ging. Ich war morgens total müde, leichter reizbar und konnte immer weniger mit Stress umgehen. Schon bald machten sich auch körperliche Signale bemerkbar, die ich aber immer wieder zu ignorieren versuchte.

Die Probleme meiner Klienten wurden immer mehr zu meinen Problemen.

Damals war ich nicht in der Lage mich genügend abzugrenzen. Ich empfand meine Empathiefähigkeit als eine Last. Es ging sogar so weit, dass ich meine Berufswahl in Frage stellte. Mit ein wenig Abstand betrachtet, stand ich damals immer wieder kurz davor auszubrennen. Heute schätze ich es an mir sehr, dass ich in der Lage bin, mich in andere Menschen hineinzuversetzen. Ich merke sofort, wenn meine Klienten ein Anliegen haben oder sich etwas in ihrer Stimmung verändert hat. Mein Einfühlungsvermögen sehe ich heute als eine Gabe an und nicht mehr als eine Last. Das Abschalten fällt mir zeitweise immer noch schwer. Wenn mir etwas zu viel wird, kommuniziere ich das mit meinen Kollegen und Vorgesetzten. In meiner Freizeit finde ich mittlerweile einen besseren Ausgleich und achte mehr auf meine Körpersignale.

Mittlerweile habe ich verstanden, dass ich gut auf mich aufpassen und meine Bedürfnisse ernst nehmen muss.

Als Konsequenz habe ich mich daher entschieden nur noch in Teilzeit weiter in meinem Beruf zu arbeiten. Darüber hinaus möchte ich anderen Menschen mit Hochsensibilität gerne helfen ihr Leben glücklicher und authentischer zu gestalten. Hierzu gehört auch unsere Arbeitswelt. Es wird Zeit, dass wir wieder mehr Menschlichkeit zeigen und miteinander statt gegeneinander arbeiten.

Ein Kommentar zu „Hochsensibilität im Arbeitsleben

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