Umgang mit Überreizung

Dieses Jahr haben wir Weihnachten zum ersten Mal bei uns zu Hause gefeiert. Es war, wie immer, etwas chaotisch aber schön. Die Eindrücke haben am nächsten Tag noch lange nachgewirkt. Schon abends im Bett hatte ich das Gefühl den gesamten Tag noch einmal in meinem Kopf zu durchleben. Am nächsten Morgen ging es genauso weiter. Ich hatte das Gefühl, dass mein Gehirn mit der Verarbeitung nicht hinterherkommt. Selbst die Musik vom Vorabend hatte ich noch im Kopf, die Gespräche, Gerüche,…

Wenn zu viele Eindrücke auf mich einströmen, merke ich das immer daran, dass ich unruhig werde.

Ich nehme alles gleichzeitig wahr und es fällt mir schwer mich auf Gespräche zu konzentrieren. Deshalb habe ich mich zwischendurch immer wieder für kurze Zeit in die Küche verzogen. Als Gastgeberin hat man dafür eine gute Ausrede. Das schöne an meiner Familie ist, dass ich eigentlich gar keine Ausreden mehr brauche. Die meisten wissen, wie es mir an solchen Tagen geht und haben Verständnis für mein Verhalten. Wenn doch mal Nachfragen kommen, erkläre ich einfach, dass ich eine kurze Auszeit brauche. Meistens fällt es auch nicht auf, wenn ich mal für eine kurze Zeit verschwinde. Seitdem ich mich mit dem Thema Hochsensibilität auseinandersetze, bin ich aufmerksamer geworden und achte mehr auf meine Körpersignale.

Bei zu viel Überreizung reagiert meist der Körper in irgendeiner Form.

Das ist bei jedem Menschen unterschiedlich: Der eine bekommt Kopfschmerzen, der andere wird ungeduldig und reagiert schneller gereizt. Ich merke es spätestens beim Einschlafen, wenn ich mir am selben Tag zu viel zugemutet habe. Dann weiß ich, dass ich beim nächsten Mal wieder deutlicher auf meine Bedürfnisse hören muss und mir vielleicht am nächsten Tag eine längere Auszeit nehme. Auf diese Weise gebe ich meinem Gehirn die Zeit die Reize zu verarbeiten und sich wieder in einen Normalzustand zu bewegen.

Früher habe ich meine Körpersignale bei Überreizung selten oder gar nicht wahrgenommen.

Ich war zu sehr im Außen und habe es daher gar nicht bemerkt, wenn mir etwas zu viel wurde. Erst hinterher wurde mir klar, dass ich zu weit gegangen bin, wenn ich schlecht gelaunt, müde und mal wieder stark gereizt war. Heute passiert es mir zwar auch noch hin und wieder, dass ich über meine Grenzen gehe. Trotzdem schaffe ich es immer öfter mir Auszeiten zu nehmen, wenn ich sie brauche. Genauso bin ich mittlerweile gut in der Lage zu kommunizieren, wenn z.B. die Musik zu laut für mich ist. Die meisten zeigen hier Verständnis. Falls das nicht möglich sein sollte, finde ich andere Wege und verlasse dann für eine Zeit lang den Raum. Noch vor Kurzem habe ich mich oft gezwungen alles so auszuhalten, wie die anderen es können.

Heute weiß ich um meine Grenzen und habe sie akzeptiert.

Nicht mehr gegen meine eigenen Grenzen anzukämpfen und sie anzunehmen, hat auch den Menschen in meinem Umfeld geholfen, diese zu akzeptieren. Auf diese Weise kommt es viel seltener zu Missverständnissen und Konflikten. Weihnachten ist ein schönes Fest, trotz der vielen Eindrücke und der ständigen Überreizung. Wenn man gut auf sich selbst aufpasst und auf seine Körpersignale hört, kann man das Fest als Hochsensible im Kreis der Familie sogar genießen. Ich hoffe du hattest auch eine stressfreie Zeit und konntest die Feiertage dafür nutzen, dich etwas von den vielen schönen Eindrücken zu erholen.

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