Mit Yoga zu mehr Gelassenheit

Ich bin ganz ruhig und höre, wie die Regentropfen leise auf die Fensterscheibe prasseln. Die Augen sind geschlossen. Mit einer Hand auf meinem Herzen atme ich tief ein und aus. Ich spüre meinen Herzschlag unter den Fingern, den Boden unter mir, wie er mich trägt. Ich richte meinen Oberkörper auf und bemerke, wie der Atem tiefer geht und die Luft meine Lungen füllt. Leben. Ich öffne die Augen und bewege mich im Rhythmus des Atems. Ins Gefühl gehen – sowohl im Körper, als auch im Kopf. Hinhören und hinspüren, was da kommt. Die Augen sind geschlossen, der Atem geht entspannt und ruhig. Welche Gedanken kommen hoch? Was fühle ich? Wärme oder Kälte, Entspannung oder Anspannung, Ruhe oder Rastlosigkeit, Konzentration oder innere Unruhe…?

Im Hier und Jetzt zu sein ist für Hochsensible keine leichte Aufgabe.

Schon gar nicht, wenn man von allen Seiten den unterschiedlichsten Reizen ausgesetzt ist. Seitdem ich 2018 mit Yoga angefangen habe, bin ich achtsamer mit mir, meinen Gedanken und Empfindungen. Es gibt mir die Möglichkeit einmal nur mit mir zu sein. Dabei geht es mir weniger um körperliche Fitness, sondern eher um einen bewussten Ausgleich zum Alltag. Hier habe ich häufig das Gefühl von einer Aufgabe zur nächsten zu hetzen. Beim Yoga geht es darum, die Bewegungen achtsam auszuführen, mit Bedacht und ganz ohne Hektik. So versuche ich mich auch im Alltag immer wieder daran zu erinnern alles Schritt für Schritt zu erledigen…Atemzug für Atemzug.

Yoga hat mich in Geduld geübt, in Akzeptanz, im Annehmen und im Loslassen.

Es gibt Tage, da fällt es mir leichter die Matte auszurollen. Es gibt aber auch Tage, an denen es mich große Überwindung kostet. Aber gerade an diesen Tagen, an denen es Tausend Gründe gibt auf dem Sofa sitzen zu bleiben, weiß ich, dass es besonders wichtig für mich ist. Auf der Yoga-Matte spüre ich meine Bedürfnisse, Gefühle, Anspannungen, Ängste, aber auch Freude und Dankbarkeit. Hier darf ich so sein, wie ich bin. Ich lasse alles zu, was kommt, um es dann wieder gehen zu lassen. Seitdem ich mir täglich die Zeit nehme, meinen Körper zu spüren und in mich hineinzuhorchen, geht es mir mental viel besser.  Im Alltag habe ich mehr Energie und Ausdauer. Ich bin insgesamt gelassener und ausgeglichen. Trotzdem nehme ich mir zwischendurch Auszeiten, wenn ich sie brauche. 

Ich habe gelernt, dass mir diese Zeit gut tut.

Mir fällt es immer dann besonders auf, wenn ich sie mir einmal nicht genommen habe. Daher habe ich Yoga zu meiner täglichen Priorität gemacht. Er ist fester Bestandteil meiner Abendroutine geworden und entschleunigt mich nach der Arbeit. Manchmal sind die Übungen kraftvoll und dynamisch, manchmal sanft und fließend und manchmal reichen auch ein paar Dehnübungen zur Entspannung aus. Da achte ich ganz auf meine Bedürfnisse.

Im Anschluss nehme ich mir einen kurzen Moment Zeit um Nachzuspüren.

Dabei hilft mir eine einfache Frage: Wie geht es mir jetzt? Diese Frage kann ich mir auch im Alltag immer wieder stellen. In den meisten Fällen kann ich diese Frage mittlerweile positiv beantworten. Wenn es doch einmal der Fall sein sollte, dass ich mich bei den Übungen nicht entspannen konnte, oder unangenehme Gefühle hoch kamen, dann ist das auch ok. Ich versuche es einfach an einem anderen Tag nochmal. Denn wenn es mal schwer ist, darf es auch wieder leicht sein. Jeder Tag ist eine neue Möglichkeit für sich selbst zu sorgen.

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