Wenn deine Welt still steht…

Wie geht es dir gerade? Die Frage ist ernst gemeint, denn in diesem Jahr ist nichts, wie es sonst war. Ich für meinen Teil habe lange Zeit mit mir gerungen, ob ich darüber offen sprechen möchte. Ich habe mich schließlich dafür entschieden. Das Jahr 2020 hält uns nach wie vor in Atem und keiner weiß so richtig, wo uns das noch hinführt. Dennoch glaube ich, dass in jeder Krise auch eine Chance steckt. Und ich möchte dir heute von meiner persönlichen Krise erzählen, weil ich hoffe, dass du für dich auch etwas daraus ziehen kannst. Also fangen wir an…

Hast du dich schonmal gefragt, ob du mit deinem Leben zufrieden bist?

Ehrlich gesagt, stelle ich mir diese Frage gerade täglich. Bin ich zufrieden? Ich weiß es nicht. Es gibt vieles, wofür ich unendlich dankbar bin. Aber es gibt auch einige Umstände, die mir in der letzten Zeit einfach nicht mehr gut getan haben. Sie haben mir viel Kraft geraubt, jeden Tag. Sie haben mich ausgelaugt, jeden Tag. So lange, bis meine Welt schließlich still stand. Burnout… Ich hatte gerade meine Stelle gekündigt, um in Teilzeit bei einem anderen Arbeitgeber zu arbeiten. Ich wollte neue Kraft tanken, mich von den Strapazen der letzten Monate erholen und dann kam er – mein persönlicher „Lockdown“. Von einem auf den anderen Tag. Wobei das auch nicht ganz richtig ist. Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, hat es sich schon lange Zeit vorher angekündigt…Wochen, wenn nicht sogar Monate vorher.

Ich habe die Anzeichen zu lange ignoriert.

Mein Körper ging in den Streikmodus. So wollte und konnte ich einfach nicht mehr weitermachen. Jeden Tag über meine Grenzen gehen, für andere Menschen da sein, obwohl ich noch nicht einmal mehr die Kraft hatte, für mich da zu sein. So leerte sich allmählich mein Energietank, bis schließlich auch der letzte Tropfen endgültig aufgebraucht war. Ground Zero, Rock Bottom, Lockdown, Burnout, Erschöpfungsdepression…egal wie du es nennen willst, mein Körper hatte für mich den Stecker gezogen. Der einzige Gedanke, der sich in meinem Kopf wie ein Mantra wiederholte, lautete: „Ich kann nicht mehr…!“.

Das war eine harte Erkenntnis!

Zuerst wehrte ich mich noch dagegen, oder versuchte es zumindest. In meinem „Ich muss doch weiter funktionieren“-Modus verschickte ich weitere Bewerbungen und führte sogar ein Telefoninterview, sagte Vorstellungsgesprächen zu…und schließlich wieder ab. Da war sie also: die steinharte Realität, vor der ich die letzten Wochen und Monate weggelaufen bin. Es ging einfach nichts mehr. Ich kann das Gefühl schwer beschreiben. Man ist einfach kraftlos und hat das Gefühl nichts mehr bewältigen zu können. Im Gegenteil: Alles ist überwältigend und überrollt einen, wie eine Lawine.

Und dann kamen die Selbstzweifel…

Und zwar mit voller Wucht. In einem Zustand der vollkommenen Überforderung mit mir, dem Leben und allem, was jetzt auf mich zukam, fühlte ich mich immer kleiner und kleiner. Wie weit hatte ich es kommen lassen? Ich wusste schon lange, dass es an der Zeit für eine Veränderung ist. Aber ich schob diese Entscheidung immer weiter vor mir her. Es gab immer sehr gute Gründe, beim Altbekannten zu bleiben. Es tat mir zwar nicht gut, aber ich wusste zumindest, was ich zu erwarten hatte. So eine schräge, aber dennoch nachvollziehbare Einstellung. Ich hatte schlicht und ergreifend Angst vor dem Unbekannten. Aber dieses für mich so furchteinflößende Unbekannte holte mich nun doch ein.

Ich konnte nicht mehr vor mir selbst davon laufen.

Ich musste etwas ändern und zwar schnellstmöglich. Der Gedanke kam allerdings zu spät. Die Realität hatte mich schneller eingeholt, als ich dachte. Ich hatte zu spät reagiert und da saß ich nun mit meiner Krankschreibung und wusste nicht weiter. Alles war nun unklar für mich: Meine finanzielle Situation, meine berufliche Zukunft, meine ganze Identität stellte ich in Frage: Wer bin ich? Was kann ich? Wo will ich hin? Klingt alles sehr philosophisch, aber ich befand mich mitten in einer Identitätskrise. Und sie ist noch nicht vorbei. Das tiefe Tal habe ich mittlerweile hinter mir gelassen, sodass ich zum Glück wieder das Licht am Horizont sehen kann. Glaube mir, das Gefühl nicht zu wissen, wie es weitergehen soll, kenne ich! Aber: Es geht immer weiter, auch wenn man es im ersten Moment nicht sehen kann…

Wie geht es jetzt weiter?

Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht genau. Vieles ist in Bewegung, im Innen und im Außen. Aber ich sehe mittlerweile die Chance auf Veränderung, die dieser Zustand mit sich gebracht hat und dafür bin ich dankbar. Wenn es dir gerade ähnlich geht, dann lass dir gesagt sein: Du schaffst das! Hör in dich hinein. Du hast schon so vieles geschafft. Hole dir Unterstützung durch dein Umfeld. Ich habe ausschließlich positive Rückmeldungen und einen starken Rückhalt durch meine Familie und Freunde bekommen, als ich mich ihnen gegenüber geöffnet habe. Es gibt keinen Grund sich dafür zu schämen, wie es dir geht. Ich wünsche dir ganz viel Kraft in dieser bewegten Zeit, ganz egal was du gerade durchmachst. Glaube an dich, denn du bist stark. Du wirst das schaffen und ich auch!

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