Wie geht es weiter?

Die Adventszeit ist endlich da. Ich freue mich jedes Jahr besonders auf diese Zeit. Endlich zur Ruhe kommen, das Jahr Revue passieren lassen und sich auf Weihnachten freuen. Dieses Jahr wird es für viele Menschen natürlich etwas anders aussehen als sonst. Dennoch sollten wir dankbar sein für die Zeit, die wir mit unseren Lieben verbringen dürfen und auch für die technischen Möglichkeiten, falls das nicht der Fall sein sollte. Diesen Dezember blicken wir alle auf ein verrücktes Jahr zurück. Nichts verlief, wie es ursprünglich geplant war. Vieles war anders, anstrengend und Kräfte zehrend. Ich spreche wahrscheinlich für die meisten, wenn ich sage: Ich bin froh, wenn wir hinter 2020 einen Haken machen können. Aber wie wird 2021…? Das kann zum aktuellen Zeitpunkt keiner so genau sagen. Ich versuche trotz allem optimistisch zu bleiben und nach vorne zu schauen.

Was ist mein persönliches Fazit aus 2020?

Als feinfühliger Mensch stand ich seit dem ersten Lockdown besonders unter Anspannung. Ich spürte, dass mein Umfeld zunehmend unsicher wurde, ja die ganze Welt irgendwie aus den Fugen geraten war. Die Nachrichten verunsicherten mich zusätzlich und ich versuchte Abstand zu gewinnen. Ich hatte oft mit Ängsten zu tun. Diese versuchte ich allerdings nicht zu laut werden zu lassen. Ich lenkte mich ab, arbeitete noch mehr als sonst, wechselte von einer Beschäftigung zur nächsten, nur um nicht über die aktuelle Situation zu viel nachzudenken. Doch nachts lag ich oft wach. Dann drehte sich das Gedankenkarussell rasend schnell im Kreis. Ich konnte immer schlechter schlafen und kämpfte wieder mit Verspannungen und Magenschmerzen. Ich war innerlich unruhig und reagierte schneller gereizt. Ich kannte das schon von mir. Klare Signale von Stress und emotionaler Überlastung. Auch auf der Arbeit stieg die Anspannung und der Druck immer weiter an, weil nicht klar war, ob und wie die Projekte weiter finanziert werden konnten. Das ging so lange bis…ja, bis ich nicht mehr konnte. Ich kündigte schließlich mitten in der Krise meine Stelle. Ich brauchte dringend eine Pause von allem. Aber statt zur Ruhe zu kommen, kroch die Angst nun noch mehr in mir hoch und die negativen Gedanken in meinem Kopf wurden immer lauter. Ich fühlte mich irgendwie so, als hätte ich versagt. Ich, die doch sonst immer funktioniert und alles im Griff hatte. Aber genau da lag das Problem: Ich funktionierte nur noch…all die Wochen und Monate.

Wie habe ich neue Kraft geschöpft?

Ich kann zum Glück heute sagen, dass es mir wieder einigermaßen gut geht. Ich bin auf dem richtigen Weg und zwar nach vorne. Anstatt zurückzublicken, was in diesem Jahr alles „schief“ gelaufen ist, konzentriere ich mich darauf, was als nächstes kommt. Ich habe mich in den letzten Wochen viel mit mir auseinandergesetzt und meine Ängste angeschaut, anstatt sie weiterhin wegzudrücken. Das war ein schmerzhafter, aber auch heilsamer Prozess. Heute weiß ich, dass sie ein Teil von mir sind (in diesem Jahr vielleicht noch mehr als sonst). Der einzige Weg mit ihnen umzugehen, ist sie zuzulassen. Denn je mehr wir sie ignorieren, umso größer und bedrohlicher werden sie. Ich möchte dir daher Mut machen hinzuschauen. Du musst das nicht alleine tun. Mir hat es sehr geholfen mit meiner Familie, meinem Partner und Freunden zu sprechen. Ich bin offen damit umgegangen, wie es mir geht und das hat die Türen geöffnet. Anstatt mich zu verschließen und einzuigeln, habe ich den Kontakt gesucht und nach Hilfe gefragt. Das ist mir am Anfang wirklich nicht leicht gefallen, aber es war die schönste Erfahrung, die ich bisher gemacht habe. Es ist ein tolles Gefühl zu merken, dass das Umfeld einen trägt. Und als Frau mit ausgeprägtem Helfersyndrom hat es mich darin bestärkt, dass man nicht immer für alle da sein muss und auch mal zugeben darf, dass man selbst Hilfe braucht. Das ist vollkommen okay! Neben den Gesprächen haben mir Meditationen und Tagebuch schreiben sehr geholfen. Auch Sport und Spaziergänge an der frischen Luft waren Balsam für meine angeknackste Seele.

Wie geht es jetzt weiter?

Vor allem langsam…Ich tendiere dazu meine neu gewonnene Energie vor lauter Euphorie ziemlich schnell wieder aufzubrauchen. Normalerweise würde ich mich jetzt so schnell wie möglich wieder in das nächste Projekt stürzen. Doch diesmal werde ich genau das nicht tun! Ich werde versuchen mich nur auf den nächsten Schritt zu konzentrieren. Dieser heißt aktuell für mich zu definieren, wie ich in Zukunft arbeiten und mit meinen Energiereserven haushalten möchte. Eine Teilzeittätigkeit ist definitiv die bessere Wahl für mich, das weiß ich schon. Doch was ist darüber hinaus zu beachten? Ich habe mir klare Kriterien definiert, auf die ich bei der Jobwahl achten möchte. Außerdem möchte ich lernen mich besser abzugrenzen und endlich „Nein“ sagen lernen. Das fällt mir nach wie vor sehr schwer und damit bin ich wahrscheinlich nicht allein. Gerade Frauen haben damit ein großes Problem. Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal. Ich möchte mich für dein Interesse und deine Zeit bedanken, wenn du bis hierher gekommen bist. Solltest du gerade in einer ähnlichen Situation stecken, dann melde dich gerne bei mir. Ich freue mich über Austausch und bin mir sicher, dass wir alle voneinander etwas lernen können. Ich habe in diesem Jahr gelernt, dass es wichtig ist gerade in der Krise zusammenzuhalten. Ich hoffe, dass wir 2021 trotz all der kräftezehrenden Ereignisse gestärkt angehen können. Nutze daher die Feiertage, um wieder etwas aufzutanken. Genieße die Zeit mit deiner Familie, deinem Haustier oder auch nur für dich selbst. Denn du bist es wert, dass du dir Zeit für dich nimmst. Ich wünsche dir in diesem Sinne eine frohe Weihnachtszeit und komm gesund ins neue Jahr!

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