Verletzlichkeit macht stark

Der Buchtitel von Brené Brown hat mich sofort angesprochen. Ehrlich gesagt, lese ich ihr Buch jetzt schon zum zweiten Mal. Ich konnte mich an keine Details mehr erinnern und dachte, es wäre daher an der Zeit mich dem Thema noch einmal zu widmen – jetzt, wo es gerade aktueller denn je ist. Denn gerade jetzt trifft es mein aktuelles Thema einfach auf den Punkt: Mich verletzlicher zu zeigen, als ich es je getan habe…

Früher hatte ich eine Schutzmauer um mich aufgebaut.

Sie sollte mich schützen und Angriffe von außen abwehren. Bei jedem sieht diese Mauer etwas anders aus. Bei mir hat sie sich in einer ungesunden perfektionistischen Haltung und völligen Aufopferung für andere gezeigt. Auf diese Weise habe ich keinerlei Angriffsfläche geboten. Ich war immer freundlich, hilfsbereit und machte „keine“ Fehler. Das hatte allerdings zur Folge, dass ich den Bezug zu mir selbst und meinen eigenen Bedürfnissen komplett verloren hatte. Aus Scham vor meiner Verletzlichkeit verdrängte ich jene so lange, bis es nicht mehr ging.

Heute stehe ich zu meiner Verletzlichkeit.

Sie macht mich nahbarer, menschlicher und ich merke, wie sich meine Beziehungen dadurch verändert haben. Es sind Menschen in mein Leben gekommen, gerade weil ich mich verletzlich gezeigt habe. Es ist eine schöne Erfahrung, die ich in der letzten Zeit machen durfte. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass nicht jeder mit dieser Verletzlichkeit umgehen kann, da sie die Schutzmauern des anderen einzureißen droht. Menschen, die noch nicht bereit dazu sind, kann das sogar regelrecht abschrecken. Ich habe aber mittlerweile verstanden, dass nicht ich oder meine Verletzlichkeit das „Problem“ sind, sondern dass es einfach Zeit und die Bereitschaft dazu braucht, sich seiner verletzlichen Seite zuzuwenden. Außerdem bedarf es einer großen Überwindung, Vertrauen und Mut sich anderen gegenüber zu öffnen und sich dann auch verletzlich zu zeigen.

Jeder hat sein eigenes Tempo…

Meine Erfahrungen machen mir jedenfalls Mut weiterhin auf diesem Kurs zu bleiben, den ich jetzt eingeschlagen habe. Denn ich möchte mich nicht mehr verstellen, um mich zu schützen. Ich möchte mich zeigen, um zu heilen. Ich öffne mich, damit andere Menschen sich sicher fühlen, sich ebenfalls zu öffnen, echt und sie selbst zu sein. Denn wir alle sind Menschen und wir alle haben dieselben Emotionen und das Bedürfnis nach Verbindung und authentischen Beziehungen. Wir möchten so gesehen werden, wie wir wirklich sind. Doch das setzt voraus, dass wir uns verletzlich zeigen. Lasst uns also darüber sprechen und unsere Erfahrungen teilen. Denn teilen heißt heilen.

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