Hochsensibilität und Angst

Seit ich ein kleines Mädchen war, habe ich schon mit Ängsten zu tun gehabt. Alles fing an, als ich realisierte, dass das Leben endlich ist und jeder von uns irgendwann diese Welt verlassen wird. Die Angst vor dem Tod wuchs und speziell der Verlust eines geliebten Menschen wurde mir so schlagartig bewusst. Meine inneren Alarmglocken läuteten, als ich eines Tages merkte, dass es meinem Vater nicht gut ging…Depression. Als Kind mit 7 oder 8 Jahren habe ich natürlich noch nicht verstanden, was das heißt. Aber mein feines Gespür sagte mir, dass da etwas nicht stimmte. Meine Überlebensstrategie war, so früh und so viel Verantwortung wie möglich zu übernehmen und mich möglichst unauffällig und angepasst zu verhalten. Viele Jahre später trage ich diese Strategien noch immer in mir und es fällt mir schwer sie abzulegen. Es ist also nicht verwunderlich, dass Ängste noch immer zu meinen täglichen Begleitern gehören.

Warum sind hochsensible Menschen besonders betroffen, wenn es um Ängste geht?

Angst ist zunächst einmal eine ganz natürliche und wichtige Reaktion unseres Nervensystems, denn sie schützt uns vor Gefahren. Bei Angst schüttet der Körper Unmengen an Adrenalin aus und schaltet in den Kampf- bzw. Fluchtmodus um. Wir sind alarmiert und auf eine schnelle Reaktion vorbereitet. Das bedeutet gleichzeitig aber auch sehr viel Stress für unser gesamtes System.

Hochsensible Menschen haben insgesamt ein „feineres“ Nervensystem, heißt: ihre Reizschwelle ist wesentlich niedriger und sie kommen so viel schneller in einen Zustand der Übererregung. Stress und Angst sind da nicht mehr weit entfernt…

Was mir hilft (neben einer professionellen Begleitung), sind v.a. Achtsamkeitstraining und bewusste Auszeiten für mich allein. Ich habe mittlerweile verstanden, dass ich einfach einen grundlegend größeren Bedarf an Ruhe und Entspannung habe, als die meisten Menschen um mich herum. Lange Zeit habe ich versucht da mitzuhalten und bin immer wieder über meine eigene Belastungsgrenze gegangen.

Auch heute tappe ich manchmal noch in dieselbe Falle und vergleiche mich mit Kollegen, Freunden oder Familienmitgliedern, die von Haus aus einfach mehr schaffen als ich. Doch es gelingt mir immer öfter den Blick wieder auf mich zu lenken und mich gerade dann zu fragen, was ich gerade brauche und was meine Bedürfnisse sind. Das braucht viel Übung im Alltag und einen achtsamen und wohlwollenden Umgang mit sich selbst. Aber das bin ich mir mittlerweile einfach wert!

Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema Angst und Hochsensibilität gemacht?

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